Wissenswertes über die unterschiedlichen Reithalfter

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Reiten zählt sicherlich zu den facettenreichsten Sportarten überhaupt. Viele große und kleine Details sind maßgeblich für die Vielfalt in der Pferdeszene. Angefangen selbstverständlich bei den individuellen Eigenschaften von Pferd und Reiter tragen auch die verschiedenen Möglichkeiten bei der Ausstattung ihren Teil zur Mannigfaltigkeit des Reitsports bei. Eine wichtige Komponente stellt in diesem Zusammenhang unter anderem die Wahl des Reithalfters dar. Bei der Anschaffung einer neuen Trense bzw. eines neuen Zaumzeugs ist die Entscheidung für das Reithalfter neben dem passenden Trensengebiss entscheidend für den Erfolg des gekonnten Zusammenspiels zwischen Ross und Reiter.

Warum die Wahl des richtigen Reithalfters so wichtig ist

Springendes Pferd mit Reiter

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Das Reithalfter oder im Prinzip der Nasenriemen eines Zaumzeugs dient lediglich als Ausgleich von Unarten des Pferdes, wie beispielsweise das Aufsperren des Maules oder das Herausstrecken der Zunge. Es sollte auf keinen Fall dazu genutzt werden, Fehler in der Führung der Reiterhand zu kompensieren. Ein Pferd, welches sensibel auf eine gefühlvolle Reiterhand reagiert und zufrieden kaut, ist grundsätzlich auch ohne Nasenriemen problemlos reitbar. Deshalb darf keine Form von Reithalfter derart angelegt werden, dass dem Pferd das Atmen durch die Nüstern erschwert wird oder ein schmerzhafter Druck an irgendeiner Stelle des Pferdemauls ausgeübt wird.

Überdies ist bei der Auswahl des richtigen Reithalfters für den eigenen Vierbeiner auch die Kopfform von Bedeutung. Länge und eventuelle Biegung des Nasenrückens stehen dabei im Fokus, genauso wie die Länge der Maulspalte oder andere individuelle Merkmale. Schon allein von der individuellen Anatomie des Pferdekopfes her sind nicht alle Reithalfter gleichermaßen für alle Pferde gut geeignet.

Verschiedene Reithalfter im Überblick

Die unterschiedlichen Formen der Reithalfter haben auf verschiedene Punkte bzw. Bereiche des Pferdekopfes völlig differenzierte Wirkungen. Je nach Eigenheiten des Pferdes und nach Geschick der Reiterhand ist ein passend gewähltes Reithalfter ein hervorragendes Hilfsmittel, um eine sensible Übertragung der Hilfen während des Reitens zu unterstützen. Folgende Reithalfter sind dabei besonders beliebt:

  • Hannoversches Reithalfter: Das Hannoversche Reithalfter wird über dem Kinn des Pferdes unterhalb des Trensengebisses verschnallt. Die einzelnen Riemen dieses Reithalfters sind üblicherweise über einen Verbindungsring miteinander verzweigt. Da diese Form von Nasenriemen unmittelbar über den weichen Nüstern verläuft, ist auf jeden Fall darauf zu achten, dass eine zu stramme Verschnürung vermieden wird, da dem Pferd sonst die Atmung erschwert wird! Richtig eingesetzt verhindert ein Hannoversches Reithalfter vor allem seitliche Ausweichbewegungen des Pferdemauls und erleichtert somit die Weitergabe der Zügelhilfen.

 

  • Englisches Reithalfter: In der Praxis sehr häufig anzutreffen ist das Englische Reithalfter, welches aus nur einem Nasenriemen besteht. Dieser wird ca. 2 Finger breit unterhalb des Jochbeins des Pferdekopfes verschlossen. Der Nasenriemen wird bei der Verschnallung unter den Backenstücken, welche das Trensengebiss halten, durchgeführt. Das Englische Reithalfter ist für die Pferde besonders angenehm und ein echter Alleskönner, denn es verhindert ein zu starkes Öffnen des Pferdemauls bei gleichzeitiger Ermöglichung einer angeregten Kauaktivität. Da dieser Nasenriemen ohne einen weiteren Riemen im Kinnbereich auskommt, ist ausschließlich das Englische Reithalfter für eine Kandaren-Zäumung oder andere Zäumungen mit Kinnkette geeignet.

 

  • Kombiniertes Reithalfter: Das kombinierte Reithalfter ist prinzipiell eine Zusammenführung des Englischen- sowie des Hannoverschen Reithalfters. Durch die Kombination aus dem Nasenriemen des Englischen Reithalfters mit einem zusätzlichen Sperrriemen, welcher unterhalb des Gebisses verläuft, werden die Vorteile beider Zäumungsarten klug miteinander verbunden. Da der Sperrriemen anders als das Hannoversche Reithalfter nicht unmittelbar auf dem weichen Teil der Nüstern verläuft, ist die Gefahr einer zu strammen Verschnallung geringer. Dennoch verhindert der Sperrriemen zusätzlich zum Nasenriemen ausladende Öffnungsversuche des Pferdemauls.

 

  • Schwedisches Reithalfter: Das Schwedische Reithalfter ist im Grunde genommen eine Variante des Englischen Reithalfters. Es besteht ebenfalls aus lediglich einem Nasenriemen, doch die Art der Verschnallung unterscheidet sich maßgeblich. Anders als bei dem Englischen Vorbild wird der Nasenriemen über Umlenkungsschnallen verschlossen. Ähnlich wie bei einem Flaschenzug wird hierbei die einwirkende Kraft deutlich erhöht, welches leider das große Risiko einer missbräuchlich strammen Verschnürung in sich birgt. Der ursprüngliche Gedanke ist eigentlich der, das durch die Umkehrschnallen das Verschließen erleichtert und für das Pferd somit angenehmer sein soll und zudem ein Einklemmen von Hautfalten vermieden wird. In der Regel sind die Nasenriemen eines Schwedischen Reithalfters außerdem breiter und dicker gepolstert.

 

  • Mexikanisches Reithalfter: Das Mexikanische Reithalfter ist eine besonders weiche Variante des kombinierten Reithalfters. Es besteht aus einem zusammenhängenden Riemen, welcher mittig auf dem Nasenrücken des Pferdes gekreuzt und schließlich unter dem Gebiss im Kinnbereich verschlossen wird. Durch den besonderen Verlauf dieses Nasenriemens ist die Verteilung des Drucks auf mehrere Punkte am Pferdekopf gewährleistet. Außerdem ermöglicht dieses spezielle Reithalfter den Einsatz besonderer Trensengebisse, da keine Riemen das Spiel der Trense im näheren Bereich der Maulwinkel behindert.

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