Wissenswertes über Pferdekennzeichnung

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Pferde gibt es in unzähligen Rassen und Farben. Ob groß und kräftig, ob sportlich und elegant, ob klein und einfach nur zum liebhaben – Pferde sind so individuell wie imposant zugleich. Um in dieser bunten Vielfalt den Überblick zu behalten und eine systematische Zuordnung vornehmen zu können, werden Pferde schon seit Jahrhunderten individuell gekennzeichnet. Der folgende Text beschäftigt sich mit verschiedenen Aspekten im Zusammenhang mit der Pferdekennzeichnung und einigen interessanten Details zu diesem Thema.

Pferdekennzeichnung mittels unterschiedlicher Brände

Traditionell wird in erster Linie die linke Hinterhand mit einem Rassebrandzeichen versehen. Hannoveraner, Trakehner, Oldenburger oder Holsteiner sind nur einige Beispiele für die bekannten verschiedenen Brandzeichen deutscher Zuchtpferderassen. Da sich viele Rassen allerdings mittlerweile sehr vermischt haben und der Brand abhängig von der Verbandszugehörigkeit des jeweiligen Züchters ist, handelt es sich unterdessen mehr um ein Zuchtverbandsbrandzeichen als um einen reinen Rassebrand. Zusätzlich zu dem Symbol der jeweiligen Rasse erhält das Pferd einen Nummernbrand. Dieses erleichtert die genaue Identifikation des Tieres.

Über das übliche Rassebrandzeichen hinaus gibt es zur Pferdekennzeichnung auch noch sogenannte Eintragungsbrände, welche bei der Eintragung in ein Zuchtregister Anwendung finden. Ebenso werden Pferde aus der Zucht eines Züchters oder eines Gestüts zeitweilig mit einem eigenen Züchter- bzw. Gestütsbrandzeichen versehen.

Die verschiedenen Möglichkeiten der Pferdekennzeichnung

Um eine Pferdekennzeichnung durch ein Brandzeichen vorzunehmen, werden in der Regel Eisen erhitzt und das Brandzeichen mittels des sogenannten Heißbrandes aufgebrannt. Dabei wird die Haut oberflächlich verletzt und es bildet sich dauerhaft Narbengewebe. An dieser Stelle wächst kein Fell mehr und das Brandzeichen bleibt so zeitlebens sichtbar. Alternativ zum Heißbrand gibt es auch den Kaltbrand zur Pferdekennzeichnung. Hierbei wird mit einem auf – 80 Grad Celsius abgekühlten Eisen der Brand aufgesetzt. Im Gegensatz zum Heißbrand wächst an der Stelle des Brandzeichens wieder neues Fell, allerding nur in Weiß, da die pigmentbildenden Zellen zerstört werden. Auch so ist eine Pferdekennzeichnung dauerhaft sichtbar.

Üblicherweise findet man Brandzeichen auf der linken Hinterhand des Pferdes. Dabei handelt es sich um Rassebrände. Alternative Körperstellen zur Pferdekennzeichnung sind die rechte Hinterhand, die Sattellage oder sogar die Ganaschen.

Seit geraumer Zeit werden Pferde, ebenso wie Hunde und Katzen, durch einen Mikrochiptransponder gekennzeichnet. Beim Chippen wird dem Pferd ein Mikrochip per Injektionsnadel unmittelbar unter den Mähnenkamm eingesetzt, welcher dann mit einem Lesegerät permanent ausgelesen werden kann und somit das Pferd eindeutig identifizierbar macht.

Pferdekennzeichnung – Der Equidenpass

Alte, rostige Hufeisen auf Vintage Holzbrett

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Des Weiteren verfügen die meisten Pferde grundsätzlich über einen Equidenpass, so dass es durchaus vorkommen kann, dass ein Pferd weder gebrannt noch gechipt ist. In diesem Equidenpass werden die typischen individuellen Merkmale des jeweiligen Pferdes zur Pferdekennzeichnung exakt eingetragen.Für den Eintrag der allgemeinen und besonderen Kennzeichen eines Pferdes in den Equidenpass muss ein Tierarzt zu Rate gezogen werden. Dieser füllt den Pass aus.

Über die äußerliche Pferdekennzeichnung hinaus erfüllt der Equidenpass zusätzlich eine Dokumentationsfunktion. Hier wird der „Verwendungszweck“ des Tieres festgehalten, was mit der Verwertung als Nahrungsmittel zusammenhängt. Bekommt ein Pferd bestimmte Medikamente verabreicht, so darf es nicht mehr in die Nahrungskette des Menschen gelangen. Im Equidenpass wird dieses genau dokumentiert.

Pferdekennzeichnung im Fokus – Brandzeichen versus Mikrochip

Das traditionelle Brennen der Pferde ruft schon seit langem die Tierschützer in den Fokus. Insbesondere seit Einführung des Mikrochips halten viele das Brandzeichen zur Pferdekennzeichnung und als Mittel der Identifikation für überflüssig. Dabei dreht sich die aktuelle Diskussion hauptsächlich um den Brand an der Hinterhand des Pferdes. Bei den anderen oben aufgeführten Körperstellen herrscht weitestgehend Einigkeit darüber, dass Brände in diesen Bereichen unangenehme Folgen für die Vierbeiner mit sich bringen können.

Doch gibt es Argumente, die sowohl gegen als auch für das traditionelle Brennen auf die Hinterhand sprechen. Tierschützer und Gegner der Pferdekennzeichnung mittels Brandzeichen berufen sich auf Studien, laut denen der Brennvorgang für die Tiere schmerzhafter sei als das Setzen eines Mikrochips. Außerdem wird über nachhaltige Verstörungen von Fohlen nach dem Brennen gesprochen, die noch Wochen später nicht richtig Trinken und Spielen. Wird der Brand nicht genau und professionell gesetzt, kommt neben eventuell in tiefere Hautschichten vordringende Verletzungen eine dauerhaft schlechte Lesbarkeit hinzu.

Andererseits betonen Experten die gute Heilfähigkeit der Haut von Säugetieren. Die Auswirkungen des Setzens eines Mikrochiptransponders seien aber langfristig noch nicht absehbar. Hier wird angemerkt, dass das Pferd dauerhaft mit einem Fremdkörper leben muss, welcher von Gewebe umgeben wird, was eventuell zu unangenehmen Entzündungen bis hin zu eitrigen Geschwüren führen kann. Überdies stellt das Wandern der Mikrochips ein zusätzliches Problem dar. Es kommt durchaus schon einmal vor, dass ein Chip mit einem Lesegerät gar nicht mehr auffindbar ist. Auch kann der Chip an für das Pferd sehr unangenehme Körperstellen wandern, wo er langfristig zu Schmerzen oder Blockaden führen kann, wie beispielsweise im Genick.

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